Roermond
I.
die erste Frühlingssonne berührt unsere
malträtierten Herzen
erinnert uns
wie sehr wie lieben
und wie sehr sich unsere Unerreichbarkeit
wie ein Prolog vor jede unserer Gesten setzt
II.
im summenden Frühlingslied steht die Sonne
sitzen wir im Cafe
geübt in den Lichtbädern
küssen uns unverdeckt
seht her
III.
wir betten
die Frühlingssonne
in unsere Liebe
lassen ihre Monologe auf unseren
bleichen Gesichtern
klingen
halten still und
Hand in Hand
übertrifft ihre Zärtlichkeit
jede unserer Gesten
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hast du denn gewusst
mein Kind
dass die Sonne dir gehört
der Mond auch
und die Nacht
schau
ich bin nicht die Welt
nur dein erstes Stück Heimat
Winter.
wo die Tage sich legen
an den stummen Wintermund
tragen wir leise
in uns
jedes einzelne Wort
vornübergebeugt
lauschen wir dem brechenden Eis
Schmerz in den Fingern
langsam gebärt sich das Licht
zwischen Tag und Tag
die Zeit
die uns wieder bringt
an den neuen Ort
Glück
sie hatte das nicht bedacht
als sie die Treppe hinaufstieg
das Lied, das sie summte, war alt
wie Nähe einbricht und Sehnsucht
nicht über die Treppe
sondern direkt
durch das zerberstende Dach
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reiben uns die Haut dünn
um auszubieten
was sie als Wand uns verwehrt
brennend geben wir uns neue Namen
erkennen wir uns?
ratlos stehen wir
vor unserem Knochengerüst
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Still ist es
keine Erinnerungspartituren die blenden
der Frühling so namenlos wie der Winter und der Herbst
wer singt ihn ein
jeden Tag ein Verlust
wenn irgendwann mit der Stille auch die Farbe verblasst
möchte ich
hier nicht mehr sein
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Taschentuchberge stapeln sich
unter meinen Händen
während von Zeit zu Zeit
die Fahrkartenkontrolleure
mich aus meinen Verankerungen lösen
und von mir die Beweisführung fordern
auf der schwarz auf weiß
meine Kapitulation steht