1.

Der Horizont bricht auf. Wie ein feiner Haarriss rutscht er unter die Wimpern. Das Gefieder des Eisvogels vibriert.

Die Stoffreste lagen auf dem Boden wie bunte Fische. Sie befühlte sie zärtlich und sorgfältig, erforschte ihre Unterschiede, das Raue, das Weiche, das Glatte, und je größer die Teile waren, desto glücklicher war sie. Sie kniete sich auf den Boden, sammelte sie in ihrem Rock und streute sie dann in die Puppenkiste. Sie waren ihr Schatz. Ein Sammelsurium an Farbe und Material, das sich zu einem Nest ineinanderschob, und wenn ihre Hand eintauchte, war es das Glück der Stunde.
Manchmal zog die Großmutter ein Stück wieder heraus und sagte: Das brauche ich noch. Plötzlich war da etwas. Zunächst nur ein Gedanke, der sich durch die Wimpern erspann. Sie hob den Blick und betrachtete die Welt, so, wie sie war, und der Gedanke verlor sich wieder. Später saßen sie in der Stube, die Großmutter an der Nähmaschine und sie am Tisch. Sie wühlte in ihrem Schatz und suchte das schönste Stück Stoff für ein Puppenkleid, schnitt es zurecht und verband die Teile mit holprigen Stichen. Das ging jeden Tag besser. Manchmal stach sie sich in den Finger. Die Großmutter lachte, sie schenkte ihr einen Fingerhut und steckte ihn ihr an. Dann verletzt du dich nicht wieder. Stolz betrachtete Ada das silberne Hütchen. Es schimmerte hochkarätig. Die Sonne formte es jeden Tag neu. Seine Oberfläche war uneben und schob selbstbewusst die Nadel durch den Stoff. Mit ihm fühlte sie sich sicher und setzte Stich um Stich. Als die Mutter zu Besuch kam, zeigte sie ihr den Fingerhut. Schön, sagte diese. Und trank ihren Kaffee. Die Puppenkleider interessierten sie nicht.